Die Menschen von Moria

Leuchtende Beispiele
23.09.2020

Die Menschen von Moria

Ein bewegender Bericht von Valeska Gleser von stART e.V.

 Liebe Freunde, Bekannte, Verwandte, Interessierte,

die Ereignisse der vergangenen Tage auf Lesbos haben mich sehr betroffen gemacht. Am 12.8.habe ich mich von vielen Menschen in Moria verabschiedet, die mir während meines dreieinhalbwöchigen Aufenthaltes ans Herz gewachsen sind.

Wir verabschiedeten uns in der Annahme, dass sie entweder einen „blauen Stempel“ (also einen anerkannten Asylstatus) bekommen und weiterreisen können, oder sie noch in Morialeben und wir uns im Oktober wiedersehen. Vieles erscheint rückblickend geradezu „luxuriös“.*Die Menschen lebten in Zelten und es gab immerhin meistens Strom und Wasserstellen mit fließendem Wasser. Die Toilettencontainer waren dreckig und viel zu wenige, aber immerhin gab es welche.

Es gab Schulen, wo Kinder und Erwachsene Englisch, Deutsch und Französisch lernten. Zwar nur eine Stunde pro Tag, bzw. alle zwei Tage, aber immerhin. Außerdem wurde Kunstunterricht und Gitarrenunterricht angeboten. Nun leben diese Menschen unter freiem Himmel, auf der Straße, dem Lidl-Parkplatz (wo wir immer einkaufen waren), in den Wäldern, manche anscheinend sogar auf einem Friedhof.

Die zwei Schulen, in denen wir gearbeitet haben: Abgebrannt. Mit allem Inventar inkl. ca. 20 Gitarren, einer kleinen Bibliothek, vielen Kunstwerken von Geflüchteten (s.u.), den erst kurz vorher angebrachten Isolierplatten um die Hitze in den kleine, schlecht zu belüftetenden Räume etwas zu dämmen. Die Toilettencontainer: Abgebrannt. Ebenso die meisten Zelte mit dem Wenigen, was die Menschen noch besaßen.

Besonders in Erinnerung ist mir der ältere Mann, der einen kleinen Vorgarten gebaut hat. Wir haben ihn gefragt, ob wir ihn fotografieren dürfen, daraufhin hat er noch mehr Blumen aus seinem Zelt geholt und dazu gestellt. Er war so stolz, dass seine Bemühungen gesehen werden. Von dem Tag an, kam er jedes Mal freudestrahlend auf uns zu, wenn er uns sah. Ohne seine Tochter konnten wir kein Wort miteinander sprechen, aber ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte.

Die Kinder, die völlig versunken in eine künstlerische Arbeit waren, rundherum wuselte alles, aber die zwei haben ihre eigene kleine Welt erschaffen. Die vielen Kinder, die beseelt waren, wenn sie etwas basteln und mit nach Hause nehmen durften. bekommen haben, meistens gegen die Geflüchteten, es ging aber so weit, dass die private Adresse unseres Vorstandes in den Kommentaren veröffentlicht wurde. Ich finde es sehr beängstigend, dass man derart angegangen wird, wenn man um Hilfe bittet, in Not geratenen Menschen zu helfen.

Ich bitte alle meine Freund*innen, Verwandte, Bekannte und auch Unbekannte: Bitte sprecht über Moria und die ehemaligen Bewohner*innen, wann immer es euch passend oder Nöte erscheint! Unterschreibt Petitionen, schreibt Briefe an euren Bürgermeister. Was auch immer, wenn jede und jeder ein kleines bisschen hilft, können wir die Welt menschlicher machen! Im Oktober werde ich wieder für drei Wochen nach Lesbos fahren, wenn es euch interessiert, davon zu hören, lasst es mich wissen!

Schickt diesen Bericht auch gerne an Interessierte, Freunde und Bekannte weiter. Wenn ihr unsere wertvolle Arbeit unterstützen wollt, freuen wir uns über eine kleine, große, einmalige oder regelmäßige Spende. Ich kann auch gerne mal vorbeikommen und privat oder öffentlich über unsere Arbeit erzählen. SPENDENKONTO von stART international e.V.: IBAN: DE56 7001 0080 0009 0098 05. Ich wünsche euch von Herzen alles Gute und hoffe, dass wir uns bald mal wieder sehen können.

Ganz herzliche Grüße, eure Valeska

 


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GastautorIn dieses Artikels

Valeska Gleser
Valeska Gleser, arbeitet für stART e.v. und gehört zu einem Netzwerk aus Therapeut*innen und Pädagog*innen, die künstlerische Schwerpunkte haben.